Home | Sitemap | Impressum | Kontakt

Weigelie - Leben und Tod

Im Herbst 2005 wurde bei uns im Nachbarort für ein Fermwärmenetz alles umgegraben. Der halbe Ort war eine Baustelle. 

Mitten im Ort, haben die Jungs auch einen Riesenschacht ausgehoben um die Rohre verlegen zu können.

Dabei waren ihnen offensichtlich ein paar Sträucher im Weg. Jedenfalls ist mir immer wieder ein Mordsdrum nackter Wurzelballen mit irgendetwas dran aufgefallen wenn ich mit dem Auto vorbeigefahren bin. Es kam der Winter mit Schnee und Frost und das Ding lag immer noch da. 

Im März 2006 als der Schnee geschmolzen war, fiel mir das Gestrüpp wieder auf. Erde war kaum an den Wurzeln. Keine 10 Groschen (jaja der gute alte Schilling läßt grüßen) hätte ich dafür gegeben, dass da auch nur noch ein Funke Leben drinnen ist.

Erst im April hab ich mir das Teil einmal näher angesehen. Ich hab mich fürchterlich geärgert, dass ich das Irgendetwas (damals hatte ich keine Ahnung was es war) nicht schon im Herbst mitgenommen habe.

Das Irgendwas musste mal ein stattlicher Baum oder Strauch gewesen sein, den man vor langer Zeit schon mal gekappt hat. Der Stumpf war ausgehöhlt und an dem verbleibenden Teil hat der Baum dann wieder Knospen aktiviert. In dem schönen Todholzbereich sehe ich den Tod und in dem neuen lebenden Teil wäre das Leben . Vielleicht kann man dieses Bild im Kopf  von Leben und Tod ja gestalterisch umsetzen. Aber wahrscheinlich ist da jeder Rettungsversuch umsonst. 

Naja, vorsichtshalber den Kofferraumdeckel auf und den Kreppen hinein. 

Zuhause hab dann mal eine Erstuntersuchung gemacht. Hmm, der Patient könnte noch leben. Die Rinde ist zwar schwer beschädigt, aber trotzdem ist das Kambium noch grün wenn ich die Rinde anritze.  

„Setz ihn schon ein“, schreit mein Bonsaiinstinkt. Ich hatte auch zuuuuuuuuuufällig einen Micapott mit 50 x 35 herumstehen. Leider ging er da nicht hinein.

Naja, wenn der Kerl schon so zäh ist und den ganzen Winter so als Abfall herumliegend überlebt, dann könnte er ja auch noch eine massive „Wurzelamputation“ überstehen. Also das grobe Werkzeug ausgepackt und mit Säge und großer Zange die Wurzeln auf die richtige Schalengröße getrimmt. (Bild 1)

Mein Verstand sagte mir eher dass es eh nix wird, aber ein Versuch kostet ja nix.

So richtig fasziniert an der Weigelie hat mich eigentlich nur das Todholz. (Bild 2 und 3)

Bild 4 und Bild 5

 

 

Ich sollte nicht so viel denken, denn das Gestrüpp schob schon einen Monat später Knospen aus dem Holz. Anhand der Blätter wusste ich jetzt auch dass es eine Weigelie ist. (Bild 4)

 

2006 durfte der Baum ungehindert wachsen, damit er sich wieder stabilisiert.

Im Frühjahr 2007 hab ich den zu langen Stamm stark gekürzt, damit der Baum kompakter wird. (Bild 5)

 

 

 

 

Die Weigelie hat darauf sehr willig mit dem Austrieb vieler Knospen am verbliebenen Stamm reagiert. (Bild 6) Das Teil ist auch noch eitel, denn im Mai hat der Baum  bereits Blüten angesetzt. (Bild 7 u 8

Bild 9

An und für sich wächst die Weigelie ja sehr sparrig wenn man sie lässt. Wenn man jedoch die neuen Triebe laufend bis auf 2 Blätter pinziert, sobald sich 6 Blattpaare gebildet haben, erzielt man fein verzweigte Äste in unglaublich schneller Zeit.

Während der Wachstumsperiode kann so alle 2 – 3 Wochen pinziert werden.

Ich hätte nie gedacht, dass der Kreppen in nur einem Jahr schon fast zum herzeigen geht. (Bild 9)

Mit diesem Bericht will ich anregen auch mit auf dem ersten Blick untauglichem Material zu experimentieren.

 

Servus aus dem SalzburgerLand

 

Aigner Herbert