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Projekt Spitzahorn als Shohin

Bild 1 klick me

Irgendwann im Jahr 2000 ist mir aufgefallen, dass in meinem Garten ein Sämling keimt. Keine Ahnung was das wird, aber lassen wir es mal wachsen.

Als ich an einem bleistiftdicken Stämmchen die Riesenblätter sah, wusste ich dass sich der Samen eines Spitzahorn in meinen Garten verirrt hat. 

Vorsichtshalber, weil man weiß ja nie, habe ich schon mal den Stamm gedrahtet um den richtigen Hüftschwung hineinzubringen. Später ist das nämlich kaum mehr möglich. Wenn man einen Shohin gestalten möchte, dann ist das die wichtigste Phase. Wurzeln, Äste und Krone kann man fast beliebig umgestalten, aber einem geraden Stamm eine geschwungene Form zu geben ist kaum mehr möglich.

Im Frühjahr 2001 habe ich den Asylanten ausgegraben. Der Kleine hatte schon mächtig Wurzelmasse. Die habe ich bis auf ein paar Hauptwurzeln alle weggeschnitten. Es blieben 4 oder 5 Wurzeln übrig, die so einigermaßen an der selben Stammhöhe entsprangen. Beim eintopfen in eine Bonsaischale habe ich ein kleines Holzbrett unter die Wurzeln gelegt und die Wurzeln in geeigneter Form verteilt und mit Draht und kleinen Nägeln fixiert. 

Dann durfte das kleine Ahörnchen mal lustig 3 Jahre drauflos treiben. (Bild 1)

Der Stamm wurde also von mir immer wieder gedrahtet und in Form gebracht. Ungefähr dort wo eine Seitenknospe trieb, habe ich dem Stamm eine Richtungsänderung verpasst.

 

Da ich einen Shohin gestalten möchte, hatte der Baum 2004 ungefähr seine endgültige Höhe erreicht.  

Jetzt war es an der Zeit an der Feinverzweigung zu arbeiten und die Blätter kleiner zu bekommen. Der Spitzahorn hat nämlich Blätter in der Größe einer Handfläche. 

Um Feinverzweigung zu erhalten, muss unbedingt im Spätwinter/Vorfrühling, jedenfalls vor dem Austrieb, eine Knospensektion erfolgen. An der Spitze jeden Zweiges entstehen 3 Knospen, eben eine fette Mittelknospe und 2 kleine Nebenknospen. NUR die dicke mittlere Knospe durch abdrehen oder ausbrechen entfernen. (Bild 2)

Dadurch entwickelt der Baum kurze Internodien. Ohne Entfernung der Spitzenknospe macht der Baum zu lange Internodien. (Bild 3)

Der Spitzahorn treibt daraufhin an den kleinen Nebenknospen der Zweigspitzen aus. Weiter hinten liegende Knospen treiben meistens im Frühjahr nicht aus. (Bild 4) Macht nix, die kitzeln wir später durch den Blattschnitt raus.

Die Knospenselektion alleine bringt aber noch keine wesentlich kleineren Blätter.Dazu müssen wir immer wieder während der Wachstumsperiode die großen Blätter die an der Spitze der Zweige entstehen entfernen. Das erste mal mache ich das wenn die Blätter fester sind und waagrecht stehen. Der Neuaustrieb  im Frühjahr bringt zarte und hängende Blätter (Bild 5), dessen Zellgewebe sich erst festigen muss um die typische Stellung einzunehmen. Also warten bis die Blätter waagrecht stehen und dann die Schere gezückt und weg mit den großen Blättern. (Bild 6) Dabei gehe dich durchaus selektiv vor. Dünne Äste lasse ich ein Jahr durchwachsen und schneide dann ein eventuell zu langes Internodium wieder auf das 1. Knospenpaar zurück. Dann ist im Folgejahr der Austrieb sicherer.

Bild 5 und 6 klick me

Nach jedem Rückschnitt aktiviert der Baum auch weiter hinten liegende Knospen. (Bild 7)

Diesen Austrieb lasse ich gerne etwas länger werden, damit der Zweig kräftiger wird. Meine Erfahrung ist, dass die sonst wieder vertrocknen oder einfach im nächsten Jahr nicht mehr austreiben.

Im Herbst 2007 sah der Baum aus wie auf Bild 8.

Bilder 7 und 8 - klick me

It´s me ;-)

Viel Spaß beim experimentieren. Viel falsch kann man bei einem Spitzahorn nicht machen. Die vertragen jede Menge Schnitte und Experimente.

 

Grüße aus dem SalzburgerLand

 

Aigner Herbert